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    Fernverkehr - Kabel und Verbindungen  10 von 10eine Seite zurück

    Fernverkehr - Kabel und Verbindungen
    Fernverkehr - Kabel und Verbindungen Details Anzeigen

    Auf den Gebieten des elektrischen Nachrichtenwesens haben vor allem zwei Faktoren die neuzeitliche Entwicklung der Technik bei der Deutschen Reichspost einschneidend beeinflusst: die Verkabelung des Fernleitungsnetzes und die Einführung des Selbstanschluss Betriebes.

    Die Deutsche Reichspost hatte im Jahre 1921 einen großzügigen Plan aufgestellt, um ihr oberirdisches Fernleitungsnetz durch ein Fernkabelnetz zu ersetzen. Das damals aufgestellte Programm ist im Wesentlichen eingehalten worden mit dem Ergebnis, dass am Ende des Jahres 1926 6.507 km Fernkabel verlegt waren.

    Siehe auch: Fachbuch über das Rheinlandkabel.

    Damit ist für den innerdeutschen Verkehr ein betriebssicheres, von der Witterung unabhängiges Leitungsnetz geschaffen worden. Der Verkehr mit den Nachbarländern konnte weiter ausgebaut werden. So steht das deutsche Fernkabelnetz in unmittelbarer Verbindung mit den Fernkabelnetzen von Holland, Frankreich, der Schweiz, Österreich und den nordischen Ländern. Der Anschluss von Belgien stand kurz bevor. Über Holland ist außerdem eine unmittelbare Verbindung mit dem englischen Netz vorhanden.

    Dieser Erfolg war nur möglich durch die Erfindung der Verstärkerröhre, die inzwischen zu einem betriebssicheren, unentbehrlichen Hilfsmittel der Leitungstechnik entwickelt worden ist.

    Früher konnte man die auf dem Kabelweg auftretenden Sprechstromverluste nur durch höheren Kupferaufwand und durch Einbau von Selbstinduktionspulen als Gegenmittel gegen die durch die Kabelkapazität bedingten Verluste bis zu einem gewissen Grade ausgleichen. Dabei zogen aber die hohen Kosten der Kabel und deren Unhandlichkeit verhältnismäßig enge Grenzen. Erst die Verstärkerröhre beseitigte diese Fessel, da sie dem Ingenieur ein Mittel in die Hand gab, die im Kabel eingetretenen Verluste durch Einschalten einer neuen Energiequelle auszugleichen.


    Die Fernkabel der Deutschen Reichspost sind aus Leitungen von zwei verschiedenen Adersträngen zusammengesetzt, sie enthalten 0,9 und 1,4mm dicke Adern. Hieraus ergibt sich technisch die Notwendigkeit, in den 0,9 mm dicken Adern in 75 km, in den 1,4 mm dicken Adern in 150 km Entfernung voneinander Verstärker vorzusehen. Da diese Entfernungen möglichst genau innegehalten werden müssen, fallen diese Verstärkerpunkte nicht immer mit Verkehrspunkten zusammen, so dass besondere Verstärkergebäude errichtet werden müssen. Da die Verstärkerröhren nur selten nachgestellt zu werden brauchen, erfordert die Überwachung der Verstärkerämter nur geringes Personal. Die Verstärkerämter der Deutschen Reichspost sind in der Regel einem Oberwerkmeister unterstellt, dem zur Unterstützung ein oder zwei Maschinenwärter und einige weibliche Hilfskräfte beigegeben sind.

    Hand in Hand mit der Verkabelung des Fernleitungsnetzes ist das Bestreben der Deutschen Reichspost darauf gerichtet, auch die Störungen innerhalb der Ortfernsprechnetze durch weitgehende Verlegung der Leitungen in Erd- oder Luftkabel herabzudrücken. Diese Bestrebungen stellen hohe Anforderungen an den Streckenbau. Auch hier hat die Umstellung auf Maschinenarbeit in den letzten Jahren bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Für die Mannschafts-, Geräte-, Kabel- und Stangenbeförderung sind besondere Fahrzeuge ausgebildet worden.

    Die umfangsreichsten Änderungen der Technik hat aber die Umstellung auf den Selbstanschluss Betrieb mit sich gebracht. Von den 2,6 Mill. Fernsprechanschlüssen sind inzwischen rd. 20% auf die neue Betriebsweise umgestellt worden. Bei dieser Betriebsweise, die auch in Mannheim durchgeführt ist, stellt der Teilnehmer bekanntlich seine Verbindungen mit Hilfe einer Nummernscheibe selbst ein. Er steuert mit dieser Nummernscheibe Wähler auf dem Amt, die seine Leitung mit der des gewünschten Anschlusses verbinden.


    Die Deutsche Reichspost verwendet allgemein Amtseinrichtungen mit hundertteiligen Heb- Drehwählern, die zehn Heb- und zehn Drehschritte in jeder Höhenstufe aufweisen. Diese Heb- Drehwähler haben verschiedene Entwicklungsstufen durchgemacht, in denen Kosten und Raumbedarf herabgesetzt wurden. Dieser Wähler bedeutet gegenüber dem älteren Muster mit drei Arbeitselektromagneten etwa 20 % Kostenersparnis und beansprucht nur etwa ein Drittel des Raumes.


    Der Übergang zum Selbstanschluss Betrieb bedeutet neben der Betriebsverbesserung eine wesentliche Ersparnis an Betriebskosten. Obgleich die Zahl der Anschlussleitungen nach der bisherigen Tendenz eine stark steigende Richtung hat, geht der Personalbedarf bei der Einrichtung jedes weiteren Selbstanschlussamtes zurück, bis die Umstellung beendet ist.


    Diese Umstellung geht in den großen Ortfernsprechnetzen so vor sich, dass man das ganze Ortfernsprechnetz nach seiner Sprechstellendichte in Anschlussbezirke teilt, von denen jeder im Endzustand unter Berücksichtigung einer 10jährigen Entwicklung etwa 10 000 Anschlussleitungen enthält.

    Eine solche Netzunterteilung ist im Selbstanschlussbetrieb durchführbar, ohne dass die Betriebskosten ungünstig beeinflusst werden, da der Verkehr von Amt zu Amt sich in derselben Weise abwickelt, als ob die Wähler alle auf einem Amt vereinigt wären. Hierin liegt dem bisherigen Handbetrieb gegenüber ein großer Vorteil. Beim Handbetrieb konnte die Netzunterteilung nicht so weit getrieben werden, weil jedes weitere Amt durch den Personalaufwand für den Verkehr von Amt zu Amt die laufenden Personalkosten ganz wesentlich steigen ließ.


    Die planmäßige Unterteilung des Leitungsnetzes führt ferner zu wesentlichen Ersparnissen an Leitungsaufwand.
    Die Einwirkung des Selbstanschlussbetriebes auf die technische Entwicklung des Fernsprechwesens beschränkt sich keineswegs auf die Ortsnetze selbst, sie greift vielmehr über deren Grenzen hinaus. Als Beispiel möge die Einführung des Selbstanschlussbetriebes im rheinischwestfälischen Industriebezirk dienen.


    Ruhrgebiet Verbindungen DRP 1927

    Das Leitungsnetz des rheinischwestfälischen Industriegebiets war vor der Umstellung so aufgebaut, dass jeder Ort mit jedem ändern durch unmittelbare Leitungsbündel verbunden war. Hieraus ergab sich die in Abbild dargestellte Netzspinne mit den zahlreichen Verbindungsleitungsbündeln.

    Diese einzelnen Bündel sind naturgemäß dem Spitzenverkehr angepasst und somit namentlich zwischen den Orten mit geringem Verkehr schlecht ausgenutzt.


    Die Einführung des Selbstanschlussbetriebes gestattete, diese Verhältnisse grundsätzlich umzugestalten, indem an den wichtigen Verkehrsmittelpunkten Netzknotenpunkte geschaffen wurden, die von den Seitenämtern unmittelbar angesteuert werden. Dadurch wird es möglich, alle die kleinen Leitungsbündel zu beseitigen und die Knotenpunkte durch entsprechend stärkere Leitungsbündel miteinander zu verbinden, die eine wesentlich günstigere Ausnutzmöglichkeit bieten.

    Augenblicklich ist die Umstellung für die abgehende Richtung des Verkehrs schon durchgeführt. Für die ankommende ist sie bei den vor einigen Monaten voll zum Selbstanschlussbetrieb umgestellten Knotenämtern Essen und Hagen fertig gestellt, die übrigen Knotenämter werden bei ihrer Umstellung folgen.


    Der Gang einer Verbindung von einem Seitenamt mit einem Teilnehmer eines fernen Knotenamts oder eines ihm zugeordneten Seitenamts ist folgender: Der Selbstanschlussteilnehmer des Seitenamts stellt an seiner Nummernscheibe die Zahl 9 ein. Hierdurch wird er selbsttätig mit einer Abfragebeamtin seines Schnellverkehrsamts verbunden. Der sich meldenden Beamtin teilt er sein Anschlussamt, seine Anschlussnummer und das gewünschte Amt mit Nummer mit, wie es im Fernverkehr zur Gebührenkontrolle erforderlich ist.

    Die Schnellverkehrsbeamtin verbindet ihn dann mit einer abgehenden Leitung nach dem fernen Knotenamt. Dort meldet sich eine Beamtin, die selbsttätig an die Verbindungsleitung, in der der Ruf eingeht, angeschaltet wird. Der anmeldende Teilnehmer nennt nochmals die Nummer usw. des verlangten Teilnehmers und wird über Wähler mit diesem verbunden.

    Während bei der bisherigen Betriebsweise alle aus dem ganzen Bezirksnetz ankommenden Verbindungsleitungen auf einzelne Arbeitsplätze verteilt werden mussten, enden diese Leitungen nach der Umstellung auf den Selbstanschlussbetrieb in Wählern, denen besondere Platzwähler  zugeteilt sind. Diese Platzwähler suchen selbsttätig eine jeweils freie Beamtin aus, die nur so lange angeschaltet bleibt, als zum Drücken der an ihrem Arbeitsplatz angebrachten Einstelltasten und für den Einstellvorgang erforderlich ist. Dann wird der Tastensatz selbsttätig für die Entgegennahme weiterer Verbindungen frei.

    Die Arbeit an den Zahlengeberplätzen ist somit außerordentlich einfach. Vor allen Dingen kann die Platzbesetzung jederzeit dem Verkehrsbedürfnis angepasst werden, ohne dass sich die Tätigkeit der Beamtin irgendwie ändert. Nachts laufen z. B. die aus dem ganzen Industriegebiet bei einem Knotenamt ankommenden Anrufe selbsttätig an einem einzigen Arbeitsplatz ein, ohne dass irgendwelche Umschaltungen der Leitungen usw. vorzunehmen sind.

    Auch der Bau der Fernämter ist durch die Wählertechnik bestimmend beeinflusst worden. Ein Beispiel hierfür ist das Fernamt Mannheim, bei dem die einzelnen Arbeitsplätze die Teilnehmer, die Vorschaltplätze und die übrigen Fernleitungen für den Durchgangverkehr über Wähler erreichen können. Die Arbeitsplätze haben daher keine Stöpsel und Klinken, sondern lediglich Nummernscheiben neben den Sprechschlüsseln und Kupplungstasten, um die verschiedenartigen Verbindungen ausführen zu können.

    Bei der Telegraphie auf Leitung vollzieht sich zurzeit eine Umstellung in Bezug auf die Verwendung der Telegraphengeräte und deren Weiterentwicklung. Für die Beförderung von Telegrammen auf kürzere Entfernungen, etwa bis 100 km, und bei schwächerem Verkehr gewinnt der Fernsprecher größere Bedeutung und ersetzt den schwerfälligen Morseapparat.

    Für mittleren Verkehr ist ein Apparat mit Schreibmaschinentastatur und Typen-Druckempfang sehr beachtenswert, von dem eine Ausführungsform zurzeit erfolgreich erprobt wird. Für den großen Verkehr wird der bekannte Siemens-Schnelltelegraph benutzt, wenn erforderlich mit Mehrfachausnutzung der Leistungen durch Tonfrequenz.


    Die Arbeiten, die Fernkabel mehr wie bisher für Telegraphenzwecke mit zu benutzen, sind in vollem Gange. Diese Arbeiten sind deshalb für Deutschland von besonderer Bedeutung, weil sich hier ein Weg bietet, auch die Telegraphenleitungen mehr wie bisher Einflüssen der Luft zu entziehen und den Betrieb durch Fortfall der besonderen Leitungen wirtschaftlicher zu gestalten. Mit gutem Erfolg sind auch Wege erprobt und durchgeführt worden, die Laufzeit der Telegramme innerhalb der Ämter abzukürzen. Zu diesem Zweck sind die Mittel der neuzeitlichen Fördertechnik, wie Rohrpost, Bandpost, Seilpost, ihrer Eigenart entsprechend in den Dienst der Sache gestellt worden.


    Auf dem funktelegraphischen Gebiet sind die Bildfunkversuche nach dem Verfahren Telefunken-Karolus-Siemens auf den Strecken Nauen - Rio de Janeiro und Nauen - Rom zu einem gewissen Abschluss gebracht worden und haben die technisch-praktische Brauchbarkeit des eingeschlagenen Weges ergeben.

    Quelle: VDI Zeitschrift Bd. 71, vom 28.5.1927, S 743 -746


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    Weitere Informationen : Fernkabelnetz Deutschland 1930 Weitere Informationen verfuegbar Fernkabelnetz Deutschland 1930 Weitere Informationen : Fernkabelnetz Deutschland 1927 Weitere Informationen verfuegbar Fernkabelnetz Deutschland 1927

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