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    Die Entwicklung des Fernwählsy....  175 von 435eine Seite zurückeine Seite vor

    Die Entwicklung des Fernwählsystems beginnt in Weilheim

    Die Entwicklung des Fernwählsystems (Selbstwählferndienst) in Deutschland nahm seinen Anfang 1923 mit der Errichtung der ersten automatischen Fernvermittlungsstelle in Weilheim in Oberbayern.

    Sie funktionierte noch nicht so wie wir das heute kennen.
    Ddas System der Ortsnetzkennzahlen und der Verkehrsausscheidungsziffern ‚0‘ und ‚00‘ musste erst noch entwickelt werden.


    Netzplan der Gruppe Weilheim

    Es wurde jede Teilnehmernummer im gesamten Netz nur einmal vergeben.

     

    Von jedem beliebigen Anschluss des Netzes in der Netzgruppe Weilheim brauchte der Teilnehmer nur die gewünschte Rufnummer ohne Vorwahl zu wählen.

     

    Das System mit Vorwahlen, so wie wir es heute kennen, war noch nicht eingeführt. Es reichte die Nummer zu wählen ohne zu Wissen in welchen Ort sich der gewünschte Gesprächspartner befand.

     

    Die Rufnummerblöcke waren geografisch sortiert. Die ersten Zahlen einer Rufnummer standen somit für die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Ortsnetz. Es handelte sich um ein System mit verdeckter Nummerierung. Nach diesem Vorbild wurden bis vor wenigen Jahren auch die Rufnummern in deutschen Großstädten verteilt. Die Rufnummern innerhalb des gleichen Ortsteils begannen mit der gleichen Ziffernkombination. Es war dadurch die Zugehörigkeit zu einer Teilvermittlungsstelle zu erkennen. Die Möglichkeit der Rufnummernmitnahme nach Umzug war daher nicht möglich.

     

    Die letzten beiden Ziffern kennzeichneten den gewünschten Teilnehmer innerhalb des Ortsnetzes. Für die meisten kleineren Orte reichte diese Kapazität von maximal 100 Nummern aus. Die größeren Orte bekamen mehrere solcher Hunderter-Nummernblöcke zugewiesen.

     

    Die Netzgruppe Weilheim, die anfangs 22 Ortsnetze umfasste, war baumförmig bis sternförmig aufgebaut.

     

    Es umfasst drei Ebenen:

    • das Hauptamt Weilheim als Mittelpunkt des gesamten Netzes
    • 5 angeschlossene Knotenämter in Dießen, Peißenberg, Schongau, Murnau und Kochel
    • 22 sternförmig an diese Knotenämter angeschlossene Endämter, die jeweils den Übergang in ein Ortsnetz darstellten.
    • Das Knotenamt in Peißenberg diente zugleich als Durchgangsstelle von Weilheim zum Knotenamt in Schongau.
    • Alle anderen Knotenämter waren über Direktleitungen sternförmig an das Hauptamt angeschlossen.

     

    Durch Abheben des Hörers wurde direkt eine Verbindung in das Hauptamt in Weilheim geleitet. Die ersten gewählten Ziffern legten dann fest, an welches Knoten und welches Endamt das Gespräch zu verbinden. Die letzen Ziffern führten zur Auswahl des gewünschten Teilnehmers innerhalb des gewünschten Endamtes.

     

    Das Hauptproblem war, es wurde jedes Gespräch über eine teure Fernleitung zum Hauptamt verbunden, selbst wenn es sich nur um ein Gespräch im gleichen Ort oder Endamt handelte.

     

    Die Unterscheidung ob das Gespräch im gleichen Endamt verbleibt, kann erst nach dem Wählen mehrerer Ziffern getroffen werden.

    Um die Belegung der teureren Fernleitung zu verhindern wurde der Umsteuerwähler entwickelt.

    Beim Abheben und wählen des Teilnehmer wurden parallel zum Hauptamt die gewählten Ziffern auch im Umsteuerwähler ausgewertet.

    Bei einer Übereinstimmung mit der eigenen lokalen Kennzahl wurde durch den Umsteuerwähler auf die weitere Vermittlung vor Ort umgeschaltet und parallel belegte Fernleitung wurde sofort freigeben. Dadurch konnte die Blindbelegung von Fernleitungen immerhin auf wenige Sekunden pro Gespräch herabgesetzt werden. Es wurden dadurch auch wesentlich weniger Fernleitungen benötigt. 


    Die Nummerierungspläne um Weilheim im direkten Vergleich.

    Der Nummerierungsplan ist 1. nach Ziffern sortiert und 2. nach Knotenamtsbereichen gegliedert. Die 0 (Null) ist entsprechend ihrer Position auf der Wählscheibe hinter der 9 sortiert. Fett gesetzte Ortsnamen bezeichnen den Sitz eines Haupt- oder Knotenamts.

    Rufnummernblöcke
    verdeckte Kennzahlen)
    ab 1923
    Offene Kennzahlen
    ab 1929
    Ortsnetzkennzahlen im Landesfernwahlnetz
    ab 1962
    2xx - 5xx Weilheim

    69xx Pähl
    60xxx Seeshaupt

    081 Weilheim

    082 Huglfing
    083 Polling
    084 - 087
    (andere Knotenämter, s. u.)
    088 Pähl
    089 Wessobrunn

    0881 Weilheim

    08801 Seeshaupt
    08802 Huglfing
    08803 Peißenberg
    08805 Hohenpeißenberg
    08806 Utting
    08807 Dießen
    08808 Pähl
    08809 Wessobrunn

    74xx - 77xx Dießen

    704xx-708xx Utting

    08821 Garmisch-Partenkirchen

    08822 Oberammergau
    08823 Mittenwald
    08824 Oberau
    08825 Krün

    81xx Wessobrunn
    82xx Huglfing
    83xx Polling

    841xx - 844xx Murnau

    845xx Kohlgrub
    847xx Obersöchering

    084 Murnau
    (Anfangsziffern 2 bis 4)

    0845 Bad Kohlgrub
    0847 Obersöchering
    0848 Uffing

    08841 Murnau

    08845 Bad Kohlgrub
    08846 Uffing
    08847 Obersöchering

    803xx - 806xx Peißenberg 085 Kochel
    (Anfangsziffern 2 und 3)

    0856 Penzberg
    0857 Benediktbeuern
    0858 Walchensee
    0859 Bad Heilbrunn

    08851 Kochel

    08856 Penzberg
    08857 Benediktbeuern
    08858 (Kochel-) Walchensee

    8071xx - 8073xx Schongau

    8075xx Rottenbuch
    8076xx Schwabsoien
    8077xx Kinsau
    8078xx Steingaden

    086 Schongau
    (Anfangsziffern 2 bis 6)

    0861 Steingaden
    0868 Schwabsoien
    0869 Kinsau
    0860 Bernbeuren

    08861 Schongau

    08862 Steingaden
    08867 Rottenbuch
    08868 Schwabsoien
    08869 Kinsau
    08860 Bernbeuren

    91xx - 94xx Kochel

    95xxx Penzberg
    96xx Walchensee
    97xx Bad Heilbrunn
    98xx Benediktbeuern

    087 Dießen
    (Anfangsziffern 2 bis 4)

    0877 Utting

     
    080 Peißenberg
    (Anfangsziffern 7 und 8)

    0809 Hohenpeißenberg


    Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar

    Weiterentwicklung in Bayern: 


    Das In- und Ausland zeigte großes Interesse an dem Projekt und den bayerischen Netzgruppen:

     

    • 1931: Die Abteilung VI des Reichspostministeriums lies in München, Bayern und der bayerischen Rheinpfalz ein Selbstanschlusssystem mit 53 Netzgruppen (SAN) einführen.

    • 1930 1. Juli: Es waren c 89.000 von etwa 165.000 (54 %) Teilnehmer in Bayern an ein automatischen SA Amt angeschlossen.

      44.970 (27%) Teilnehmer  konnten am SAN-Betrieb mit Zeit- und Zonenzählung teilnehmen.
      Diese waren an den Hauptämtern Ansbach, Bad Kissingen, Garmisch, Hof, Kronach und Landau (Pfalz) angeschlossen.
      1933: Es kam zum Streit mit dem Reichspostministerium in Berlin wegen  Differenzen um das technische Verfahren.

    • 1933 Dez: Nach einer Verfügung durfte die Abkürzung „SA-Amt“ für „Selbstwählamt“ wegen der Verwechslungsgefahr mit SA-Dienststellen der NSDAP nicht mehr verwendet werden.

      Die führenden Köpfe des  Weilheimer Projekts waren ebenfalls nicht mehr erwünscht.
      Martin Hebel musste  dem Reichsdienst ausscheiden

    • 1934: Carl Steidle wurde in den Wartestand und 1939 in den Ruhestand versetzt.
      Nach dem Krieg wurde er Präsident des neu gegründeten Post- und Fernmeldetechnischen Zentralamts.

    • 1935: Wilhelm Schreiber wurde pensioniert

    • 1945 19. April: Es fielen Bomben auf das Weilheimer Postamt.

     

     


    Zeitraum  1923
    Land:  D
    Weitere Information finden Sie unter:
    Weitere Informationen verfuegbar Ämterverbindungsplan Kabelführungsplan Weilheim ab 1923 Weitere Informationen verfuegbar Weilheim automatisches Fernamt
    Weitere Informationen verfuegbar Selbstwählferndienst in Bayern Weitere Informationen verfuegbar T62 Fernwahlsystem

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