Bayern Online EDV Administration Internet Hosting Email Archivierung und Historische Fernmeldetechnik Bayern Online EDV Administration und Historische Fernmeldetechnik EDV Service | Historische Fernmeldetechnik | Bildersammlung
Suchen
info@bayern-online.com
Tel: 0160-6753587


 

Webseiten
  • Homepage
  • Was ist Neu
  • Suchen
  • Suchen - Neu
  • Spritkosten Berechnen
  • Impressum
  • AGB
  • Haftungsausschluss
  • Sitemap
  • Login
  • Marktplatz

  • Kategorien
     > Telefontechnik
        Geschichte Telekommu..
        Lexikon
        Vorwort
        Chronik des Fernmeld..
        Abkürzungen
        Videos
        Hauptbauteile
        Landesfernwahl
        Systeme Liste
        Verbreitung in Europ..
        Bilder
        Stromversorgung
        Animationen
        Links
        2 Sprechstellen mit..
        Vorfeldeinrichtungen
        >> Rund um die Telef..
        Schaltungen
        Zusatzeinrichtungen
        Verbindungen
        Fernsprechauskunft
        Biografien
        1909 bis 1922
        Reichspostsystem - B..
        System Dietl Wien
        System 22
        System 27
        System 29
        System 31
        System 34
        System 40
        Wählsystem 48
        Wählsystem 48M
        System 50
        System 55 (EMD)
        System EMK
        Endamt 57
        System 58
        Endämter mit Koordin..
        Technische Dokumenta..
        Fachbuch 40 Jahre Fe..
        Fachbuch Das Rheinla..
        Das Fernsprechkabel ..
        Fachbuch Feyerabend
        Cyclopedia Telephony..
     Bilder
     Webmail Zugang
     Netzwerk EDV Service
     Email-Hilfe
     Schaltpläne
     Rundfunk

     
    Homepage > Telefontechnik > Rund um die Telefontechnik
    Das neue elektrische Weltband  15 von 52eine Seite zurückeine Seite vor

    Das neue elektrische Weltband
    Atlantik Telegrafenkabel 1858

    Zu derselben Zeit, wo der Donner des „siebentägigen“ Krieges das europäische Festland erschütterte und Hunderttausende schlachterhitzter Streiter von den Karpathen bis zum Rheine in blutigem Kampfe um Herrschaft und Freiheit rangen, in den ersten Tagen des denkwürdigen Julimonats 1866, verließ die englischen Küsten beinahe unbemerkt eine Flottenexpedition, um ein großes Werk friedlicher Eroberung, ein neues mächtiges Glied der lebendigen Kette zu vollenden, welche die Nationen der Erde verbindet.

    Das Bild zeigt das atlantische Telegrafenkabel aus dem Jahr 1858 in natürlicher Grösse.

    Es galt, zwischen der alten und der neuen Welt; zwischen Europa und Amerika, einen direkten elektrischen Verkehr herzustellen, beiden Kontinenten, wenn nicht eine Zunge, so doch die blitzbeschwingte Sprache zu verleihen, mittels deren sie ohne Zeitverlust zu einander reden, ihre Begebenheiten, ihre Wünsche, ihre Bedürfnisse einander mitteilen konnten.

    Die Hauptmasse des Telegraphenkabels war sicher an Bord des größten Schiffes der Erde, des Great Eastern, aufgerollt. Die für die europäischen und amerikanischen Küsten bestimmten Landenden lagen ebenso wohlverwahrt in zweien der begleitenden Schiffe. Zu Anfang der letzten Juliwoche näherte die Expedition sich der amerikanischen Küste und am siebenundzwanzigsten Tage desselben Monats lief in England die frohe Kunde ein, dass das amerikanische Landende des atlantischen Telegraphen in Heart’s Content Bay gelandet sei, und die Vorposten der beiden Kontinente tauschten durch die Tiefen des Ozeans ihre Glückwünsche über das Gelingen des großen Unternehmens aus. Somit war wirklich vollbracht, was man zu wiederholten Malen, zuerst vor neun Jahren, zuletzt, wie sich alle unsere Leser erinnern werden, noch vor zwölf Monaten mit ähnlichen Mitteln vergeblich versucht hatte.

    Mit dem Erfolge des atlantischen Kabels aber ist das letzte Hindernis eines die ganze Erde umfassenden elektrischen Bandes aus dem Wege geräumt, denn auch die telegraphische Verbindung mit Australien, welche die Natur selbst durch die bequemen Zwischenstationen des süd-asiatischen Archipels erleichtert hat, dürfte jetzt nicht mehr auf wesentliche Schwierigkeiten stoßen. Man kann daher die Ausführung des atlantischen Telegraphen recht eigentlich als den entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der Telegraphie unsres Planeten und die atlantische Expedition als eins jener Kapitel der Kulturgeschichte charakterisieren, welche, innerhalb der ihr angewiesenen Sphäre, eine Hauptepoche bezeichnen.


    Der erste Versuch seines unterseeischen Telegraphen wurde 1848 im Hafen von Portsmouth gemacht; doch hegte man längere Zeit so lebhafte Bedenken über die Ausführbarkeit größerer unterseeischer Linien, dass eine der wichtigsten Telegraphenverbindungen Englands, diejenige, welche auf dem kürzesten Wege den Verkehr des Inselreichs mit dem europäischen Festland vermittelt, die Linie zwischen Dover und Calais, erst im Jahre der großen internationalen Ausstellung (1851) in Angriff genommen und vollendet wurde. Der Erfolg dieses Erstlingsunternehmens übertraf die kühnsten Erwartungen und unter dem Impuls seines Gelingens drang seitdem die unterseeische Telegraphie mit Riesenschritten nach allen Seiten auf ihrem Eroberungswege vorwärts.

    Die Zahl der Kabel zwischen Dover und Calais wurde allmählich auf vier vermehrt; eine neue Linie mit sechs Adern entstand zwischen Dover und Ostende, eine dritte mit sechs Adern zwischen Folkestone und Boulogne, eine vierte mit vier Adern zwischen Harwich und Rotterdam, eine fünfte mit drei Adern zwischen Hull und Kopenhagen. Auch die andern Nationen waren nicht träge, dem von England gegebenen Beispiel zu folgen. Die Manufaktur unterseeischer Telegraphenkabel entwickelte sich rasch zu einem großen Industriezweige. Schweden und Dänemark, das italienische Festland und die Inseln Korsika, Sardinien, Sizilien und Malta, Suez und Aden, Ceylon und Indien, Südaustralien und Vandiemensland, Neufundland und Cape Breton wurden während des folgenden Jahrzehnts durch unterseeische Telegraphen, deren Länge zwischen zehn und dreihundertundsechzig englischen Meilen schwankt, in Verbindung gesetzt.

    Da diese Unternehmen aber zugleich auch pekuniär sich trefflich bewährten und ansehnliche Dividenden abwarfen, so konnte es nicht fehlen, dass man, von Stufe zu Stufe fortschreitend, bald zur Überwindung auch der größten unterseeischen Distanzen zwischen Ländern und Kontinenten Muth fasste und vor dem kühnen Gedanken einer elektrischen Verbindung Europas und Amerikas, über das Bett des atlantischen Ozeans hin, nicht zurückschreckte.
    Wem das Prioritätsrecht der Anregung dieses Planes zukommt, wollen wir nicht unternehmen zu entscheiden. Der Gedanke an sich lag unter den Umständen nahe genug und über seine Bedeutung konnten die Ansichten kaum geteilt sein.

    Tatsache ist, dass im Beginn des Jahres 1854 eine Anzahl Kaufleute und Ingenieure in New-York unter dem Vorsitz des Amerikaners Cyrus Field den Entschluss fasste, das Werk in die Hand zu nehmen, und noch im März desselben Jahres von dem Parlament in Neufundland die Autorisation zur Gründung der New-York, Neu-Fundland and London Telegraph-Company erlangten, wodurch der Compagnie auf fünfzig Jahre das ausschließliche Recht bewilligt wurde, Telegraphenkabel in Neufundland und an den benachbarten Küsten zu landen.

    Der nächste weitere Schritt war die Legung eines unterseeischen Telegraphen durch den St. Lorenzgolf von dem amerikanischen Festland nach Neufundland, ein Unternehmen, welches zwei Jahre später (1856) unter der Leitung von Cyrus Field ins Leben trat. Inzwischen war auch in England das Interesse an der Ausführung eines atlantischen Telegraphen rege geworden.

    Die öffentliche Meinung auf beiden Seiten des Ozeans äußerte sich entschieden zu Gunsten des großen Werkes und die Regierungen beider Länder blieben nicht hinter den Nationen zurück. Englische und amerikanische Kriegsschiffe wurden im Sommer 1856 mit der Untersuchung des Meeresbodens zwischen Neufundland und Irland beauftragt und englische Kapitalisten in London gründeten die Atlantic Telegraph-Company, welche mit der amerikanischen Compagnie gemeinsame Sache machte und in Kurzem über ein Capital von dreihundertundfünfzigtausend Pfd. St. verfügte.

    Allerdings fehlte es auch nicht an warnenden Stimmen, welche die Idee eines atlantischen Telegraphen in das Gebiet phantastischer Träume verlegten und den Actionären ein trauriges Ende weissagten. Die Größe der zurückzulegenden Entfernung, die mächtige Tiefe des Ozeans, die abrupte Unregelmäßigkeit seines Bodens, die unberechenbaren Gefahren von Stürmen, Nebeln und Eisbergen, mangelhafte Konstruktion des Kabels, die man vielleicht erst entdecken werde, wenn es zu spät sei – diese und manche andere Bedenken wurden geltend gemacht und fanden bis zuletzt bei nüchternen und ungläubigen Leuten Eingang. Doch auf der andern Seite war der Muth und das Vertrauen der Compagnie unerschütterlich.


    Die nötigen Vorkehrungen wurden mit dem größten Eifer, der größten Umsicht getroffen; die englisch-amerikanischen Regierungen versprachen zwei Kriegsschiffe zum Transport des Kabels, und am 7. August 1857 traten jene Schiffe, der „Niagara“ und der „Agamemnon“, mit dreieinhalbtausend Meilen Telegraphenkabel an Bord, unter den Glückwünschen des englischen Volkes ihre Fahrt von Valentia nach Neufundland au.

    Die Expedition missglückte. Schon wenige Meilen vom Lande zerriss das Kabel, indem es in die zum Auswinden bestimmte Maschinerie verwickelt wurde. Das Geschwader, hierdurch nicht entmutigt, kehrte um, hob das abgerissene Ende und ging noch mal auf die Fahrt. Allein noch einmal, und diesmal in verhängnisvoller Weise, trat der Mangel an Erfahrung dem Gelingen entgegen. Mehrere hundert Meilen westlich von Valencia kam man an eine Stelle, wo ein mächtiger, klippenartiger Abgrund das Bett des atlantischen Ozeans plötzlich von 2400 zu 10,000 Fuß vertieft. Man hatte dem Einfluss der durch einen so gewaltigen Sturz auf die Auslegemaschinerie geübten Spannung keine genügende Rechnung getragen und mit unwiderstehlicher Gewalt riss noch einmal das Kabel auseinander.

    Unter diesen vorbereitenden Versuchen war die günstigste Jahreszeit vorübergegangen. Die Äquinoktialstürme  standen bevor und durch das Erlebte, wenn nicht entmutigt, so doch belehrt, entschloss man sich, obgleich die noch vorhandene Kabellänge im Notfall zur Vollendung der Linie ausgereicht haben würde, zur Umkehr.
    So endete die erste atlantische Telegraphenexpedition. Die ungläubigen Leute triumphierten, die Aktien der Compagnie fielen.

    Dass aber nach einem solchen Ausgang im folgenden Jahre eine neue Expedition versucht werden müsse war keinen Augenblick zweifelhaft. Die Zwischenzeit wurde benutzt, das verlorene Kabelende zu ersetzen und, was noch wichtiger, der Auslegemaschinerie die möglichste Vollkommenheit zu geben. Auch in der zur Expedition bestimmten Jahreszeit machte man eine durch die Erfahrungen des vorigen Jahres gebotene Änderung. Statt im August sollten die Schiffe schon zu Anfang Juni ihre Fahrt beginnen. So durfte man für den Fall teilweisen Misslingens auf die Chance einer Reihe neuer Versuche rechnen, und um kein Mittel des Erfolges zu vernachlässigen, berücksichtigte man in ebenso liberaler Weise neben dem Maße der Zeit das des Raumes, indem mehrere hundert Meilen Extra-Kabellänge über die volle Meilenzahl von zweitausend in Reserve gehalten wurden.

    Voller Hoffnung ging nach diesen Anstalten die alte Telegraphenflotte am 10. Juni 1858 von Neuem unter Segel. Man verlor den Muth nicht, als nach einigen Tagen das Reißen des Kabels an Bord des „Niagara“ die Rückkehr nach Irland notwendig machte; man kehrte voller Zuversicht noch einmal nach Irland zurück, nachdem bei der zweiten Fahrt zweihundertneunzig Meilen Kabellänge verloren worden. Schon am 17. Juli war Alles wieder zum Aufbruch fertig.

    Der Plan war nun dahin geändert, dass die Flotte, statt die Versenkung des Kabels an der irischen Küste zu beginnen, in der Mitte des Weges über den Ocean Posto fassen, dort die Verbindung zwischen den beiden Kabelenden am Bord des „Niagara“ und des „Agamemnon“ herstellen und sodann, zu gleichen Teilen, zur Versenkung des Kabels nach Irland und Amerika aufbrechen sollte.

    Aus dem Wege nach diesem Rendezvous wurden die Schiffe durch einen schrecklichen Sturm getrennt, der ihre Ankunft mehrere Tage verzögerte und den hochbeladenen „Agamemnon“ dem Untergang nahe brachte. Indes auch diese Gefahr ging vorüber. Die Schiffe trafen an dem verabredeten Punkte zusammen, die Vereinigung der Kabelnden gelang und ohne weiteren Unfall landete am 4. August den „Agamemnon“ in Valentia, der „Niagara“ in Trinity Bay.

    So schien denn, allen misstönigen Prophezeiungen zum Trotz, das große Werk zu Ende geführt. An jenem selben 5. August liefen die ersten telegraphischen Botschaften aus Neufundland in England ein. Tags darauf schickte Königin Victoria eine glück wünschende Depesche an den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Präsident erwiderte durch eine glück wünschende Antwort.

    Der Jubel war groß. Mit einem gewaltigen Schwunge stiegen die Aktien der atlantischen Kompanie  in wenigen Tagen mehrere hundert Prozent über Paris – die Bureaus in Valentia und Trinity Bay wurden mit Aufträgen von beiden Seiten des Ozeans überschwemmt, der glänzende  Erfolg schien dem Unternehmen gesichert.

    Aber noch mitten in dieser Siegesfreude verbreiteten sich ominöse Gerüchte über eine zunehmende Undeutlichkeit in den Signalen des atlantischen Telegraphen und die Gerüchte waren leider nur zu wohl begründet. Die Undeutlichkeit der Signale wuchs von Tage zu Tage, zu Anfang September hörten sie völlig auf. Vergebens machte man sich noch eine Weile mit verzweifelten Hypothesen Hoffnung. Der versiechte elektrische Strom erneuerte seine Wellen nicht wieder und das Ende war die traurige Gewissheit, dass auch diese Expedition fehlgeschlagen, dass der atlantische Telegraph von 1858, so unzweifelhaft sicher er auf dem Boden des Ozeans ruhen und so eifrig man an seinen europäischen und amerikanischen Kabelenden operieren mochte, für alle praktischen Zwecke verloren sei.


    Eine harte Enttäuschung! Und zu verwundern war es nicht, wenn damit die Pläne der Atlantic Telegraph Company ein Stoß versetzt war, von dem sie sich nur langsam erholte. Die Distanz zwischen Irland und Neufundland, so erklärte man nun, sei zu groß, die Gefahren eines so langen unterseeischen Weges zu unberechenbar.

    Da jedoch die telegraphische Verbindung beider Kontinente einmal unabweisbares Bedürfnis sei, solle man lieber ohne Zeitverlust nach einem kürzeren Wege suchen. Man warf den Blick über die Wasser- und Ländermassen der atlantischen Küsten und schmeichelte sich mit der Hoffnung, mehr als eine solche „kürzere Route“ abstecken zu können.

    Einer Ansicht nach glich nichts den Vorteilen einer Linie zwischen Schottland, Island, Grönland und Labrador; von andrer Seite wurden Brest, Cap Finisterre, die Azoren Inseln und Neufundland als die bequemsten Stationen gepriesen; ein dritter Plan endlich gab dem Wege über Lissabon und die Kanarischen und Kap Verde Inseln nach Cap St. Roque in Brasilien den Vorzug. Aber keine dieser Routen fand denselben Beifall wie der alte Weg zwischen Irland und Neufundland, und eine zur Führung der Linie von Brest gebildete Ocean Telegraph Company ging nach einer kurzlebigen Existenz zu Grunde.

    Inzwischen hatte die Atlantic Telegraph Company, unterstützt durch ein Komitee des englischen Handelsministeriums, die Ursachen ihres Misslingens erforschen lassen und war zu dem Resultate gelangt, dass es Ursachen seien, „die man durch Geschick und Vorsicht beseitigen könne.“ So groß ihre Verluste gewesen waren und ein so tief gewurzeltes Misstrauen ihnen im Wege stand, so unverändert blieb daher nichtsdestoweniger der Glaube der leitenden Persönlichkeiten an den endlichen Erfolg des Unternehmens, und zu Anfang des Jahres 1864 kündigte ein neuer Verkaufsprospekt  der alten Kompanie eine neue atlantische Telegraphenexpedition an.

    Zuerst verkauften die Aktien sich langsam, doch im Mai des Jahres gab der Unternehmungsgeist zweier großer Firmen den entscheidenden Ausschlag. Sie zeichneten den ganzen noch fehlenden Aktienbetrag von 320.000 Pfund Sterling und schlossen mit der Atlantic Telegraph Company einen Abkommen für die  Anfertigung und Versenkung eines neuen atlantischen Telegraphen zwischen Irland und Neufundland.

    Um der Expedition die vollkommenste einheitliche Leitung zu geben, beschloss man, das größte Schiff der Erde, den Great Eastern, in Dienst zu nehmen und die Kabellänge nicht wie früher zu teilen, sondern ungeteilt an Bord dieses einen Schiffes zu verpacken. Auf die unermüdliche Sorgfalt, womit bei der Manufaktur des Kabels alle seit 1858 gemachten Erfahrungen und Erfindungen in Anwendung gebracht wurden, auf den rastlosen Eifer, der jedem kleinsten Detail der Maschinerie die umfassendste Aufmerksamkeit widmete, auf den gebildeten Sinn endlich, der für jedes Departement die besten Kräfte heranzog, können wir hier nur im Allgemeinen mit der Bemerkung hinweisen, dass das sachverständigste Urteil sie als musterhaft anerkannte.

    Ohne Unterbrechung gingen so die Arbeiten weiter. Der Great Eastern lag schon im Februar 1865 an der untern Themse bereit; am 10. Juni war das neue Kabel in den zu diesem Zweck bestimmten drei kolossalen Behältern des gewaltigen Schiffes verpackt und am 23. Juli, nach Legung des Landendes bei Valentia, ging die Telegraphenflotte in See. Um jede Täuschung über die Fortdauer der Infulation des elektrischen Stroms zu beseitigen, hatte man beschlossen, mit der Station in Valentia in unausgesetzter telegraphischer Verbindung zu bleiben, und die Teilnahme der gebildeten Welt an dem Erfolge des Unternehmens wurde auf diese Weise durch tägliche Depeschen aus der Mitte des Ozeans wach gehalten.


    Jeder Tag fügte der Länge des versenkten Kabels seine hundert Meilen hinzu und die hoffnungsvolle Spannung wuchs, als die Zeitungen das Überschreiten der Mitte des Weges, die Zahl von tausend, von zwölfhundert Meilen meldeten. Die bald nachher folgende Katastrophe: das Zerreißen des Kabels in einer Entfernung von nur siebenhundert englischen Meilen von Neufundland, die beharrlichen, aber vergeblichen Versuche, das versunkene Kabel aus einer Tiefe von drei englischen Meilen empor zu winden, sind noch in frischester Erinnerung.

    Aber ein Schlag, der hundert Andere entmutigt haben würde, verdoppelte die Energie der Männer von der atlantischen Compagnie. Die Arbeit und die Opfer so vieler Jahre sollten nicht verloren gehen. Ohne Verzug schritt man zu der Manufaktur eines neuen atlantischen Telegraphenkabels; noch einmal wurden alle Mittel des Kapitals, der Kunst, der Ausdauer in Bewegung gesetzt, und Anfang Juli dieses Jahres brach man noch einmal zur Erreichung des Sieges von Irland nach Amerika auf. Wie dieser letzte Versuch von Erfolg gekrönt wurde, haben wir Eingangs erzählt. Mehr als ein Monat ist seitdem verflossen und nach Allem, was über die Tätigkeit des atlantischen Telegraphen verlautet, entspricht der Erfolg den kühnsten Erwartungen.

    Trotz des hohen Preises der Depeschen, in denen jedes Wort zu einem Pfund Sterling berechnet wird, lassen die Einnahmen der Compagnie schon jetzt auf einen Jahresertrag von 900.000 Pfund schließen. Die Regierungen, der Handel, die Industrie, die Presse Englands und Amerikas beginnen, sich im größten Umfang des elektrischen Stromes durch den Ocean zu bedienen, und nichts steht der Annahme im Wege, dass der Größe der Unternehmung auch der materielle Gewinn entsprechen wird, der ihr im höchsten Maße gebührt.


    Zur Vervollständigung unsrer Darstellung bleibt uns nur übrig, auf die Construction des atlantischen Telegraphen einen Blick zu werden und auf eine dem Hauptdrama an Interesse beinahe gleiche Episode der letzten Expedition hinzuweisen, von deren glücklichem Abschluss unlängst die Kunde einlief. Gestalt und Umfang des Kabels stellen die beigefügten Illustrationen in den wirklichen Verhältnissen dar. Das Kabel erscheint danach etwa eine Linie dünner, als das Tau von 1865, aber doppelt so dick als das Kabel von 1858, dessen Durchmesser nur etwa sieben Linien betrug.

    Die in eine ebenso solide als biegsame Masse verarbeiteten Bestandteile des Kabels von 1866 sind folgende:

    • 1. eine Ader von sieben Kupferdrähten, von denen sechs den siebenten umwinden
    • 2. vier (zusammen etwas weniger als einen halben Zoll dick) Lagen den Kupferdraht isolierender Guttapercha
    • 3. eine äußere Umhüllung von zehn galvanisierten Eisendrähten, von denen jeder einzelne mit Flechten weißen Manila Garns umwickelt und mit einer schützenden Mixtur getränkt ist.

    Kupferdrähte, Guttapercha und Garn umwundene Eisendrähte zusammen wiegen per englische Meile einunddreißig Zentner in der Luft, nahe an fünfzehn Zentnern im Wasser, woraus für die gesamte am Bord des Great Eastern verschiffte Taulänge von zweitausendsiebenhundert Meilen ein absolutes Gewicht von fünftausend Tonnen oder hunderttausend Zentnern resultiert. Berechnet man hinzu die zur Fahrt erforderlichen achttausendfünfhundert Tonnen Kohlen, nebst einem gleichen Gewicht von achttausendfünfhundert Tonnen für die zur Aufnahme des Taues bestimmten Wasserbehälter und Maschinerien aller Art, so erhält man das staunenswerte Resultat, dass der Great Eastern die atlantische Expedition mit einer Frachtlast von etwa zweiundzwanzigtausend Tonnen oder vierhundertvierundachtzigtausend Zentnern unternahm. Einen doppelt größeren Umfang und ein entsprechend größeres Gewicht als die Hauptmasse des Taues haben die Landenden, deren Verpackung auf die das Hauptschiff begleitenden Fahrzeuge bereits erwähnt wurde.


    Aber mit der Landung in Neufundland war die Aufgabe des Great Eastern noch nicht vollendet. Er hatte noch mehr als siebenhundert Meilen unbenutzte Taulängen an Bord, die zur Herstellung einer zweiten atlantischen Linie bestimmt war, und am fünften August brach er von Heart’s-Content-Bay auf, um auch dieses Werk zum Ziele zu führen.

    Es handelte sich um nichts mehr und nichts weniger als um die Hebung des im Jahre 1865 versunkenen Telegraphen, dessen Vereinigung mit dem an Bord des Great Eastern befindlichen Tauende und die Landung auch dieser zweiten Linie an der amerikanischen Küste. Von vielen Seiten wurde, selbst nach dem Gelingen der großen atlantischen Expedition, die Möglichkeit nicht bloß des Einwindens eines so mächtigen Gewichtes aus so gewaltigen Tiefen, sondern des bloßen Erfassens des Taues auf dem Meeresgrunde, bezweifelt.

    Doch die Männer der atlantischen Compagnie und des Great Eastern waren durch keine Bedenken in ihrer Zuversicht zu erschüttern. Sie wussten durch fortgesetzte Experimente, dass die Leitungsfähigkeit des versunkenen Taues seit Jahresfrist eher gesteigert als geschwächt sei; sie hatten sein temporäres Grab durch astronomische Beobachtungen genau bezeichnet und sie vertrauten, neben dem eignen Geschick, auf die Kraft des Greifers, einer Hebemaschine, die, für den besondern Zweck der Hebung des Kabels konstruiert, am Bord des Great Eastern ihrer Bestimmung wartete.

    Und das Staunenswerte geschah. Nach einer Reihe vergeblicher Versuche wusste man am 27. August in England von dem glücklichen Aufwinden des Taues von 1865 und seiner Amalgamierung mit dem Tau am Bord des Great Eastern. Der verloren geglaubte Telegraph redete aus einer Tiefe von drei englischen Meilen wieder in vernehmlicher Sprache.

    Jeder folgende Tag brachte seine eigne Kunde vom Ocean über den Fortgang der Fahrt, über das Schwinden der Entfernung zwischen dem Great Eastern und dem amerikanischen Ufer, und heute, wo ich diese Zeilen schließe, (11. September), meldet er, der Telegraph von 1865, in allen Zeitungen seine Landung in Heart’s-Content-Bay auf Neufundland. Die einfache Erzählung dieser Tatsachen spricht für sich selbst und dem Berichterstatter bleibt schließlich nur der lebhafte Ausdruck der Befriedigung, dass es ihm vergönnt war, den Erfolg eines so hohen Ereignisses in der Geschichte der Menschheit zu bestätigen, der Wunsch, dass die Vollendung des Ganzen, von dem es der Hauptteil ist, ohne Verzug gelingen möge.


    Atlantic Telegraph Schiff Zeichnung

    Quelle: gemeinfrei, Schutzfrist abgelaufen


    Zeitraum  1854-1858
    Weitere Information finden Sie unter:
    Weitere Informationen : Cyrus W. Field Weitere Informationen verfuegbar Cyrus W. Field Weitere Informationen : Zweites Transatlantikkabel Weitere Informationen verfuegbar Zweites Transatlantikkabel
    Weitere Informationen : Erstes Atlantik Seekabel von Irland nach Neufundland Weitere Informationen verfuegbar Erstes Atlantik Seekabel von Irland nach Neufundland  

    Das neue elektrische Weltband  15 von 52eine Seite zurückeine Seite vor
    Homepage > Telefontechnik > Rund um die Telefontechnik