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    Abhorchen von Ferngesprächen -....  42 von 52eine Seite zurückeine Seite vor

    Abhorchen von Ferngesprächen -Erdtelegraphie im Felde - Teil 1
    Einbau einer Abhorchstation

    Das Abhorchen von Ferngesprächen und die Erdtelegraphie im Felde.

    Von Hans Schäfer, München.

    Sehr bald im Kriege erkannte man die Gefahr, dass auf Fernsprechleitungen geführte Gespräche auf unterirdische Kabel induziert und durch diese zum Feinde geleitet werden können. Durch Aufsuchen der unterirdischen feindlichen Kabel, deren Lage ja zum großen Teil schon vorher bekannt war, suchte man dieser Gefahr zu begegnen.

    Nachdem man in den Stellungskrieg eingetreten war, merkte man 1915 an Auffälligen Kennzeichen, dass es dem Feind anscheinend möglich war, die deutschen Gespräche mitzuhören. So wurde z.B. die Beobachtung gemacht, dass die feindliche Infanterie zu arbeiten aufhörte und in den Gräben  verschwand, sobald unsere Infanterie oder unsere Artilleriebeobachter durch Fernsprecher Artilleriefeuer auf die feindlichen Stellungsarbeiten anforderten. Es musste also dem Feind möglich sein, unsere Ferngespräche mitzuhören. Unterirdische Kabel kamen nicht in Frage. Von Gefangenen aber hörte man, dass der Feind tatsächlich einen Apparat besitze, der ihm das Mithören der deutschen Ferngespräche erlaube. Vorfeld-Patrouillen stellten zudem fest, dass vor der deutschen Stellung Pfähle in die Erde getrieben waren, von denen Drähte zur feindlichen Stellung führten. Die feindliche Abhorchtätigkeit war somit erkannt und festgestellt.

    Dies gab den Anstoß einerseits zur Schaffung und Ausbildung eigener Abhorchtätigkeit, andererseits zur Einführung von Maßnahmen, um dem Feind das Abhorchen zu erschweren oder unmöglich zu machen. Aus der Abhorchtätigkeit ging dann die Erdtelegraphie hervor.

    Wir können die einzelnen Stadien der Entwicklung von Gerät und Organisation Hier nicht verfolgen. An dieser Stelle soll hauptsächlich die Technik des Geräts besprochen, die Organisation und der Einsatz kurz gestreift werden.

    Wir gehen bei der technischen Betrachtung von einer Einfachleitung aus, bei der also die Erde die Rückleitung des Stromes darstellt. Der Strom fließt dann von einem zum andern Erdungspunkt in einem System von Stromfäden, das sich sowohl in der Breite wie in der Tiefe in die Erde erstreckt. Bei homogener Beschaffenheit der Erde erhalten wir dabei regelmäßige Kurven, die von dem einen Erdungspunkt zum andern laufen. Verbindet man nun die Punkte gleicher Stromspannung auf den verschiedenen Stromfäden, so erhält man senkrecht dazu verlaufende Kurvenscharen, die Linien gleicher Spannung oder die Aequipotentiallinien.

    Das Bild zeigt die Abb. 1. Einbau einer Abhorchstation.


    Werden zwei Punkte verschiedener Aequipotentiallinien oder verschiedener Spannung durch einen Leiter miteinander verbunden, so fließt bekanntlich ein elektrischer Strom von dem Punkt höherer Spannung zu dem niederer Spannung, also mit dem Stromgefälle. Der Strom besitzt eine um so größere Stärke, je größer das Stromgefälle ist, mit andern Worten, je mehr Aequipotentiallinien durch den verbindenden Leiter geschnitten werden. Der Strom, der zwischen den beiden verbundenen Punkten fließt, ist ein Teil und damit selbstverständlich ein getreues Abbild des zwischen den beiden Erdungspunkten der Fernsprechleitung fließenden Stromes mit all seinen Schwankungen. Legt man daher in die Verbindungsleitung zwischen den beiden Punkten verschiedener Spannung einen Fernhörer, so kann man in diesem die auf der Einfachleitung geführten Gespräche hören. Da jedoch nur ein Teil des zwischen den beiden Erdungspunkten fließenden elektrischen Stromes aufgefangen wird, ist im Allgemeinen der aufgefangene Strom zu schwach, als dass er ohne weiteres die Gespräche vernehmbar machen würde. Der Strom muss daher noch durch einen Lautverstärker verstärkt werden. Bei einer Doppelleitung werden Fehler in der Isolation, die einen Übertritt des Stromes aus der Leitung in die Erde ermöglichen, natürlich auch das Abhorchen möglich machen. Schließlich ist auch noch zu beachten, dass die auf den eigenen Fernsprechleitungen geführten Gespräche auf die eigenen Horchleitungen induziert und durch diese in die Erde geleitet werden können.

    Neben dem unmittelbaren Abfangen von elektrischem Strom aus der Erde ist noch das mittelbare Abfangen durch Induktion zu verwenden, bei dem die Horchleitung so in das elektromagnetische Feld der abzuhorchenden Fernsprechleitung gebracht wird, dass die auf dieser geführten Gespräche auf die Horchleitung induziert werden. Wie die gut isolierte Doppelleitung der Einfachleitung in Bezug auf den Schutz gegen das unmittelbare Abhorchen bei weitem überlegen ist, so auch in Bezug auf das mittelbare Abfangen; das elektromagnetische Feld einer Einfachleitung reicht viel weiter als das einer Doppelleitung, bei der die Kraftlinien zum großen Teil zwischen den beiden Leitungszweigen verlaufen und zwar um so mehr, je näher sich diese liegen.

    Soll nun eine feindliche Fernsprechleitung abgehorcht werden, so ist zunächst die Auffangvorrichtung zu schaffen. Dies ist natürlich dadurch erschwert, dass man nicht wie bei der obigen theoretischen Einführung die Lage der feindlichen Fernsprechleitungen und ihrer Erdungspunkte, somit den Verlauf der Aequipotentiallinien kennt, dass man daher die günstigste Lage der Punkte möglichst verschieden großer Spannung, an denen die Horchleitungen der Abhorchstation in die Erde zu führen sind, nicht ohne weiteres weiß, sondern durch den praktischen Versuch bestimmen muss.

    Man muss daher Suchleitungen in größerer Anzahl in den verschiedensten Richtungen strecken, wobei man einerseits dafür sorgen muss, dass die Suchleitungen möglichst nahe an die feindlichen Stellungen herankommen – nahe beieinander liegende Stellungsteile, Sappen, Wasserläufe, Eisenbahnschienen, alte Kabel- und Drahtleitungen leisten dabei häufig gute Dienste –, andererseits wird man aber auch in der Nähe der eigenen Station Sucherden anbringen, da die richtige Kombination von Erdungspunkten, die das beste Stromgefälle ergeben, häufig nur unter Benutzung in der Nähe der Station gelegener Stellen gefunden wird. Die Verbesserung der Erden, ihre Vermehrung, ihr weiterer Ausbau sind Aufgaben, die nie als abgeschlossen gelten können. Insbesondere ist auch dafür zu sorgen, dass die Erdung selbst in bestmöglicher Weise ausgeführt wird. Die Suchleitung, die von dem Erdungspunkt zu dem Apparat führt, ist gut zu isolieren. Bei ihrer Verlegung muß auch stets auf die Lage der eigenen Fernsprechleitungen Rücksicht genommen werden, da sonst die Aufnahme feindlicher Gespräche durch das Mithören eigener induzierter Gespräche unmöglich wird. Die sämtlichen Suchleitungen laufen am Apparat in einem Suchschalter zusammen, der die wahlweise Kombination der verschiedenen Erden ermöglicht.

    Der Apparat selbst wurde in einem trockenen, schusssicheren Unterstand Ungefähr in der Hauptwiderstandslinie eingebaut. Dies entsprach den beiden Forderungen, einmal, dass eine Überrumpelung durch den Feind nicht ohne weiteres möglich sein soll, zum andern, dass die Suchleitungen nicht zu lang werden, was die Induktionsmöglichkeit durch eigene Leitungen erhöht und außerdem die Instandhaltung erschwert.

    Haben wir den elektrischen Strom durch die Erden und die Suchleitungen zum Apparat geleitet, so beginnt nunmehr die Aufgabe des Verstärkers, die angekommenen schwachen Sprech- und Summerströme nach Bedarf zu verstärken. Dazu benutzt man die Verstärkerröhren, wie sie auch auf langen  Fernsprechleitungen bei der Post zur Verstärkung schwach ankommender Ströme Verwendung finden; auch die Funkentelegraphie wendet diese Verstärker an und zwar nicht nur als Lautverstärker, sondern auch als Detektoren und in neuerer Zeit vor allem auch zur Erzeugung ungedämpfter Schwingungen mit Hilfe der Rückkoppelung. Das Prinzip des Verstärkers sei kurz besprochen, wobei ich für genauere Angaben auf „Die Telegraphentechnik“ von Dr. K. Strecker, S. 79, und vor allem auf das „Lehrbuch der drahtlosen Telegraphie“ von Dr. J. Zenneck, 4. Aufl. S. 338 und 510 verweise.


    Verstärkerröhre Grundschaltung

    Das Bild zeigt die Abb. 2. Verstärkerröhre.


    Grundlegend gilt dabei: Gase leiten an sich die Elektrizität schlecht, praktisch so gut wie gar nicht; sie werden aber leitend bei starker Erhitzung, bei starker Druckverminderung und durch Bestrahlung mit gewissen Strahlen. Wird nun in einer luftleeren Röhre, in der sich Anode und Kathode eines Stromkreises befinden, die Kathode bis zur Weißglut erhitzt, so sendet die Kathode negativ geladene Elektronen aus, die sich zur Anode bewegen. Solche luftleeren Röhren wurden auch bei den Feldapparaten verwendet. Eine andere Art der Verstärkerröhren ist z.B. die Lieben-Röhre nach Lieben und Reiß, bei der die Röhre mit einer geringen Menge von Quecksilberdampf gefüllt ist. Es eilen dann nicht nur negativ geladene Elektronen von der Kathode zur Anode, sondern das Gas wird ionisiert, und es wandern gleichzeitig auch positiv geladene Jonen von der Anode zur Kathode.

    Über die im Feld verwandten Röhren gibt uns Abb. 2 und die nachstehende Beschreibung Aufschluss. Wir haben zunächst die Anodenbatterie A von 90 V, von deren + Pol eine Leitung über den Übertrager Üt II zur Anode An führt, während von dem – Pol eine Leitung über den Übertrager Üt I zum sogenannten Gitter G geht. Im Punkt x führt weiter eine Abzweigung zu der Kathode Ka, die durch einen Glühfaden gebildet wird. Dieser Glühfaden liegt nun mit einem Widerstand im Heizstromkreis, der von der Heizbatterie H von 6 V gespeist wird; er bringt die Kathode zum Glühen. Da das Gitter mit dem Abzweigungspunkt die gleiche Spannung hat, andererseits aber die Kathode noch im Heizstromkreis liegt, so besteht zwischen dem Gitter und der Kathode ein Spannungsunterschied von rund 2 V. Werden nun von der
    glühenden Kathode negative Elektronen ausgestrahlt, so eilen diese der Anode An zu, machen dadurch die Strecke zwischen Kathode Ka und Anode An Leitend und schließen so den Strom der Anodenbatterie A. Dieser Strom wird also um so stärker fließen, je besser leitend die Verbindung  zwischen Ka und An ist. Das Überströmen der negativen Elektronen von Ka zu An wird aber behindert durch das negativ höher geladene Gitter G, und zwar um so mehr, je größer diese Spannungsdifferenz ist. Stromschwankungen am Gitter werden sich also durch größere oder kleinere Leitungsfähigkeit der Strecke Ka–An bemerkbar machen, was nun wiederum auf die Stärke des Anodenstromes einwirkt.

    Ursprung: Polytechnische Journal 1919, Band 334 (S. 93–97)
    Text und Bilder sind unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar.


    Zeitraum  1919
    Land:  D
    Weitere Information finden Sie unter:
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